13
« am: 30.06.2010, 15:16:42 »
Man könnte sagen, dass ich zu meinem Job gekommen bin wie die Jungfrau zum Kind. Ich habe schon immer gern geschrieben und als Kind in der Schule ganze Hefte mit Aufsätzen gefüllt. Früh wusste ich, dass das Schreiben und Lesen genau das Richtige für mich ist. Ich wusste aber auch, dass das eine ziemlich brotlose, weil sehr beliebte und überlaufene Kunst sein kann. Und dass mich der Umgang mit Menschen und Tieren genauso interessierte, wie das Arbeiten am Computer. Also habe ich nach meinem Abi erst einmal wahllos Archäologie studiert. Wenn schon kein Plan, dann wenigstens etwas cooles.
Danach packte mich dann doch die Vernunft und ich ging eine kaufmännische Ausbildung an, die ich zwar mit guten Noten abschloss, aber für mich auch nicht das Gelbe vom Ei war. Also ging es zurück an die Uni und fern von Vernunft studierte ich frei nach meiner größten Leidenschaft Germanistik und Geschichte. Was ich damit werden wollte, wusste ich nicht. Schließlich sind das nicht gerade Fächer, um die sich die Wirtschaft reißt. Aber egal. Im Notfall wird man eben Jedi-Ritter (das ist die Standardantwort vieler Bonner Germanisten auf die Frage, was man damit denn werden will).
Der Zufall wollte es dann, dass ich 2007 über eine Anzeige stolperte, in der Texter gesucht wurden. Rechtschreibung, Grammatik? Kein Problem. Stil? Zumindest nach Ansicht meiner Dozenten ganz nett. Also habe ich mich beworben und den Job bekommen. Ich habe mich dann als Freiberufler beim Finanzamt angemeldet, das war überhaupt kein Problem. Mein wichtigstes Arbeitsmittel, PC und Internet, hatte ich ja schon zuhause. Also konnte ich durchstarten.
Mein neuer Kunde, für den ich seitdem arbeitete, war, das muss ich heute sagen, sehr fair in der Bezahlung. Leider gab es nur alle Jubeljahre einmal etwas zu tun, so dass die ganze Sache irgendwann auch wieder ganz einschlief.
2009 berichtete mir mein Bruder dann von einer Textagentur, die Texter suchte. Und da man sich da ganz bequem über das Internet bewerben konnte, habe ich das einfach mal gemacht. Und wurde angenommen. Da ich Spaß am Schreiben hatte und die Preise für eine Textagentur auch wieder halbwegs passabel waren (vor allem für einen Anfänger), habe ich von Anfang an sehr viel dort geschrieben. Zwar war man dort auch abhängig von Aufträgen, aber es gab relativ konstant viel zu tun, vor allem, da die offenbar auch gemerkt hatten, dass ich viel schreibe und vernünftige Texte fabriziere.
Aber man will ja nicht nur von einem Auftraggeber abhängig sein. Erstens ist eine Textagentur immer noch eine Textagentur, die wenns hochkommt 50% der Einnahmen an den Texter weiter gibt, zweitens war man natürlich total abhängig von Aufträgen und drittens kam man so ja schnell in den Verdacht der Selbständigkeit. Also habe ich damit begonnen, mir Jobbörsen zu suchen, in denen ich fortan fleißig inseriert und auf Inserate geantwortet habe. Nicht immer kam dabei ein Auftrag herum, meistens waren meine Preise zu hoch, manchmal passte natürlich auch mein Stil einfach nicht. Aber im Großen und Ganzen kam schon eine ordentliche Menge dabei herum.
Für weniger arbeitsreiche Tage habe ich mich auch noch bei einigen Textagenturen registriert. Denn natürlich sind 2 Euro für einen Text immer noch besser, als gar kein Geld zu verdienen. Lediglich die Agenturen, die wirklich zu Prostitutionspreisen Aufträge vergeben, habe ich links liegen gelassen. Ich muss aber auch sagen, dass ich gut ohne zurecht komme.
Schwierig war es für mich, die richtigen Preise zu finden. Anfänglich hatte ich ja nur das als Anhaltspunkt, was die Agenturen mir zahlten. Und das, was viele Kunden bereit sind zu zahlen. Da ich ja irgendwo noch Anfängerin in meinem Job war, habe ich darum den Preis der Agentur um ein Drittel erhöht und bin damit auf Kundenfang gegangen. Und siehe da - es klappte. Wenn ich nicht gerade an einen "1 Cent pro Wort" Kunden geraten bin, dann wurde mein Preis immer widerspruchslos akzeptiert. Heute weiß ich natürlich, wie spottbillig ich im Vergleich zu einem Profi war. Im Laufe der Zeit wurde ich dann immer mutiger und habe höhere Honorare gefordert. Nicht jeder Kunde hat zugestimmt, aber in der Summe waren es schon noch einige. Auf diesem Wege habe ich mindestens das gleiche Geld verdient wie vorher, musste aber weniger dafür arbeiten. Natürlich befinde ich mich immer noch im Mittelfeld, denn ich bin erst ein Jahr dabei und habe auch noch einiges, das ich lernen, oder wo ich mich spezialisieren kann.
Mittlerweile habe ich einige feste Kunden, an denen ich jeden Monat den Großteil meines Einkommens verdiene. Trotzdem gibt es einige Dinge, die man bei der Selbständigkeit immer beherzen muss. Und falls jemand diesen Text gelesen hat, will ich die hier mal weiter geben:
1. Immer auf sich aufmerksam machen
Man muss nicht gleich Klinken putzen, aber einige meiner besten Aufträge habe ich bekommen, indem ich Freunden und Bekannten von meiner neuen Profession erzählte und die dann tatsächlich gerade auf der Suche nach einem Texter waren. Außerdem sollte man sich jede Woche eine bis zwei Stunden Zeit nehmen, um in einschlägigen Jobbörsen zu inserieren und sich auf Aufträge zu bewerben. Anfänglich war meine Hemmschwelle da ziemlich hoch.. angekrochen kommen.. befürchten müssen, dass man für zu schlecht befunden wird... oder dass man zu teuer ist und eine unfreundliche Abfuhr bekommt. Auch wenn ich nicht jeden Job bekommen habe, ist keine meiner Befürchtungen eingetreten.
2. Zuverlässig und ehrlich sein
Ich bemühe mich, Vereinbarungen fristgerecht einzuhalten, und auch auf Sonderwünsche entsprechend sorgfältig zu reagieren. Ich sage aber auch ehrlich, wenn ich einen Auftrag nicht innerhalb der gewünschten Zeit schaffen kann und erkläre meinem potentiellen Kunden, wann eine Abgabe realistischer ist. Selbst Kunden mit dringenderen Aufträgen sind mir bisher nicht abgesprungen, nur weil ich gesagt habe, ich benötige ein paar Tage länger. Es macht eben nur einen guten Eindruck, wenn man das von Anfang an sagt, und nicht erst einen Tag vor der Abgabe.
3. Selbstsicher sein
Jeder trifft irgendwann auf Kunden, die Top-Leistung für nichts haben wollen. Dann sollte man auch genug Mumm haben, um diesem Kunden abzusagen. Es frustriert nur, wenn man eine Arbeit macht, für die man sich unter Wert verkauft und es raubt Zeit, die man sinnvoller für Werbung oder Weiterbildung hätte nutzen können. Auch wenn es einem vielleicht ein paar Euro weniger einbringt - will man langfristig motiviert sein, dann sollte man auch mal Aufträge ablehnen, die einem überhaupt nicht liegen.
4. Nicht zum Workaholic werden
Wenn das Geld lockt, dann ist man natürlich sehr motiviert, mehr zu arbeiten, als man müsste. Ich habe in meiner Anfangszeit an "Stoßtagen" auch locker 10 Stunden am Tag gearbeitet. Aber das geht langfristig einfach nicht. Gerade in kreativen Bereichen kommt nach einigen Arbeitsstunden nur noch Mist heraus. So ist das zumindest bei mir. Mit einer ausgedehnten Pause dazwischen komme ich am Tag vielleicht auf sechs bis sieben Arbeitsstunden, in denen ich vernünftige Texte schreibe. Was bis dahin nicht fertig ist, muss einfach bis zum nächsten Tag warten. Denn wenn man sich zehn Stunden lang total auslaugt, um Aufträge fertig zu bekommen, hat man selbst davon höchstens irgendwann einen Burnout. Und im schlimmsten Fall einen Kunden weniger, weil der die Arbeit zu schlecht fand.
5. Schlechte Zeiten nutzen
Gerade in der Selbständigkeit kann und wird es passieren, dass ein paar Wochen mal überhaupt nichts los ist. Darüber sollte man nicht gleich in Panik geraten. Schwankungen sind vollkommen normal. Trotzdem sollte man seine Zeit nutzen und nicht einfach sinnlos herumhängen. Hat man wirklich gar nichts zu tun, dann kann man die Zeit in Werbung investieren oder ein wenig an der eigenen Homepage basteln. Oder man sucht sich selbst ein paar Übungsprojekte, an denen man seine Fähigkeiten verbessern kann. Hin und wieder nutze ich einen Flautetag auch ganz bewusst, um mich ein wenig zu erholen. Dann fahre ich in die Stadt, bummel ein wenig und esse ein Eis. Das ist dann, als hätte man einen Tag Urlaub. Ich erhole mich an solchen Tagen besser, als am Wochenende. Am nächsten Tag geht es dann mit voller Energie weiter. Und wenn da auch nichts zu tun ist, dann suche ich eben noch mehr Jobbörsen, in denen ich mich vorstellen kann.